Deutsche Meisterschaft

 
  Starke Vorstellung: Jan-Niklas Droste (Bildmitte, MLP) bot im Rahmen des doppelten DM-Wochenendes eine achtbare Leistung.

Foto: Dietel

 
  Im Zeitfahren zufrieden - im Straßenrennen beeindruckt: Moritz Schütz (links) an der Seite von Radprofi Danilo Hondo.

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Schütz zufriedener Zwölfter im DM-Einzelzeitfahren
ZWENKAU/GRIMMA, 24.06.12 - Sehr zufrieden zeigten sich Moritz Schütz von der Radfahrervereinigung 1904/27 Gießen-Kleinlinden und sein Gießener Trainingskollege Jan-Niklas Droste vom MLP Radteam nach dem Einzelzeitfahren um die Deutsche Meisterschaft der U23- und Elitefahrer. Während Schütz mit 52:05 Minuten bei den Elitefahrern auf 43 Kilometern auf Platz zwölf kam, fuhr Jan-Niklas Droste im Rennen um den Titel der U23-Klasse mit einer Fahrzeit von 43:19 Minuten über 33,12 Kilometer auf Rang neun.

Auch die Frauen ermittelten in Zwenkau bei Leipzig ihre beste Fahrerin im Kampf gegen die Uhr, dem sich Lisa Hopfinger, Eva Gau und Anna Bornemann aus dem Wiesecker Frauen-Bundesligateam „RSG Placeworkers“ als erste Starterinnen stellten.

Unsichtbarer Gegner
Da das Einzelzeitfahren der Frauen auch als Wertungslauf zur aktuellen Radbundesliga gehörte, brachten die RSG Placeworkers um Teamchef Torsten E. Günther die Mindestanzahl von drei Fahrerinnen an den Start. Die Gießenerin Lisa Hopfinger hatte dabei ihre Teamkolleginnen Anna Bornemann vom RSC Sturmvogel Bonn und Eva Gau vom RC Adler Köln an ihrer Seite. Nach anspruchsvollen 33,12 Kilometern über die nahezu flache Zeitfahrstrecke mit Start und Ziel in Zwenkau kehrte Anna Bornemann als erste Fahrerin ihres Teams nach getaner Arbeit mit einer Fahrzeit von 56:44 Minuten in das Fahrerlager zurück und zog Bilanz: „Der Wind kam nach dem Wendepunkt komplett von vorne. Das machte den Rückweg noch einmal richtig schwer“, sagte Bornemann, die damit bei ihrem ersten Einzelzeitfahren im ersten Jahr als Lizenzfahrerin auf Rang 56 kam. Einen großen Bogen um den Kampf gegen die Uhr machte in ihrer Radsportlaufbahn als Hobbyfahrerin bisher Teamkollegin Eva Gau, die sich mit Platz 54 in 56:07 Minuten im ersten Lizenzjahr achtbar schlug. „Ich mag es nicht, wenn ich nicht sehe, gegen wen ich gerade fahre und wer mein Gegner ist“, fasste Gau ihr gespaltenes Verhältnis zum Einzelzeitfahren zusammen.

Hopfinger mit Handicap
Mit einem körperlichen Handicap in Form von Taubheitsgefühl in einem Bein hatte Lisa Hopfinger zu kämpfen, die mit 57:37 Minuten auf Platz 58 der Ergebnisliste kam. Teamchef Torsten E. Günther, der sein junges Bundesliga-Team im Premierenjahr leitet, fasste die Leistung seines Trios treffend zusammen: „Wenn wir unsere Platzierung ins Verhältnis zum Budget setzen würden, dann wären wir gar nicht so schlecht“, sagte Günther.

Vollkommen verausgabt
Ausgesprochen zufrieden blickten Jan-Niklas Droste und Moritz Schütz auf ihre Leistungen im Einzelzeitfahren zurück: Droste erreichte im Rennen der U23 mit 43:19 Minuten als Neunter den angestrebten Topten-Platz auf der 33,12 Kilometer langen Strecke und schöpfte wie sein Trainingspartner Schütz sein volles Leistungsspektrum aus. „Die beiden haben sich vollkommen verausgabt und alles aus sich herausgeholt. So fertig wie heute habe ich sie noch nie gesehen“, sagte Kleinlindens Rennsport-Fachwart Stephan Dietel nach dem Titelkampf der beiden Mittelhessen. Auch Moritz Schütz war mit seinem Rennen sehr zufrieden, bei dem er auf der 43 Kilometer langen Strecke der Elitefahrer mit 52:05 Minuten auf Rang zwölf der aus 20 Fahrern bestehenden deutschen Zeitfahrelite kam. Lediglich acht Sekunden fehlten dem Zeitfahrhessenmeister zu Platz zehn, was ihn bis in den Abend grübeln lies. „Ich wüsste gerne, wo ich die fehlenden Sekunden noch hätte holen können. Insgesamt konnte ich mich aber sehr gut ausbelasten“, gab Schütz zu Protokoll.

Beck mit Problemen
Joschka Beck von der RVG Rockenberg fuhr in 46:32 Minuten auf Rang 61 der U23-Fahrer und war mit seinem Rennen gar nicht zufrieden. „Ich hatte heute keinen guten Tag und fand meinen Rhythmus nicht“, schilderte der Rockenberger. Schon bei der Fahrt von der Startrampe hatte Beck Probleme und kam beinahe zu Fall. Keine große Rolle spielte für die heimischen Starter der Vergleich mit den Profis, gegen die sie fuhren. Vielmehr konzentrierten sie sich vollkommen auf ihre eigene Leistung und widmeten den bekannten Fahrern, von denen einige ab Samstag bei der Tour de France an den Start gehen, erst bei der Auswertung der Ergebnisliste ihre Aufmerksamkeit. „Ich habe im Zeitfahren Profis hinter mir gelassen. Das ist schon ein gutes Gefühl, aber es gibt noch viele Verbesserungsmöglichkeiten“, sagte Schütz und meinte damit vor allem das spezielle Zeitfahrtraining und die Optimierung des Materials, die derzeit noch einige Unterschiede zu den Profifahrern und der Arbeit in deren Teams aufweisen.

Langes Straßenrennen
Während Bundesligafahrer Beck und die RSG Placeworkers nach dem Zeitfahrwettbewerb und der Bundesligawertung die Heimreise antraten, hatten Droste und Schütz nach einem Ruhetag noch das 201,4 Kilometer lange Rennen um die Deutsche Meisterschaft im Straßenrennen vor sich. Mit Respekt begegnete Schütz nach einer Streckenbesichtigung dem 10,45 Kilometer langen und sehr welligen Rundkurs um Grimma, auf dem er mit einem Dutzend U23-Fahrer um Trainingspartner Droste vom MLP Radteam auf die fast vollständige deutsche Riege der Radprofis traf.

Wegmann gewinnt
Schon die erste Runde auf der außerordentlich anspruchsvollen DM-Strecke legten die 160 Fahrer Rennfahrer mit einem Stundenmittel von 45 km/h zurück – 18 weitere Runden ähnlicher Art sollten auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaft noch folgen. In unterschiedlichen Ausreißergruppen formierten sich die Favoriten und im Finale setzte sich nach 201,4 Kilometern der 32 Jahre alte Fabian Wegmann aus dem Team Garmin-Barracuda vor Linus Gerdemann vom Team Radioshack-Nissan und dem erst 22 Jahre alten U23-Europameister Julian Kern vom Team Leopard Trek aus einer dreiköpfigen Spitzengruppe durch. Für den Kleinlindener Moritz Schütz war das Rennen in der zwölften von 19 Runden zu Ende, nach dem er hart um ein Durchkommen gekämpft hat.

Droste gelistet
„Das sind einfach Welten zwischen der Spitze der Amateure und den besten Profis. Ich fühlte mich von Beginn an am Anschlag, hatte im Anstieg 400 Watt auf meinem Tacho und dann ist Marcus Burghardt noch an mir vorbeigerast. Das waren sicher ein paar km/h Unterschied“, beschrieb Schütz seinen Eindruck aus dem DM-Rennen. Zudem spürte er noch die Vorbelastung vom Zeitfahren in den Beinen. Vollkommen frisch hätte er wohl besser abgeschnitten, war sich Schütz sicher, denn nur ein Teil der Starter hatte sowohl das Zeitfahren als auch das Straßenrennen bestritten. Mit seinem Tipp auf den Tagessieg („Das ist eine Strecke für Wegmann“) lag Schütz absolut richtig. Drei Runden vor dem Finale war das Rennen auch für Jan-Niklas Droste zu Ende – er kam bei 70 gelisteten Fahrern auf Rang 48, einen Platz hinter Rick Zabel (Team Rabobank), dem Sohn des bekannten Sprinters und Tour-de-France-Etappensiegers Erik Zabel. (sd)

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