Hessenmeisterschaft Straße

 
  Kampf um Platz drei: Julia Wiedemann (links) und Sonja Ludwig kämpfen sich im Rennen der Frauen durch den kalten Regen.

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  Podium der Elitefahrer: An der Seite von Sieger Kuntschick stehen Schütz (links) und Hartmann auf Silber und Bronzeplätzen.

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Kalter "Medaillenregen" bei Hessenmeisterschaft
FULDA, 06.05.12 - Moritz Schütz und Jonas Hartmann von der RV Gießen-Kleinlinden haben Silber und Bronze bei der Hessenmeisterschaft im Straßenradrennen geholt. Bei Dauerregen auf einem Rundkurs rund um Fulda hielten auch die Straßenradsportler der RSG Gießen und Wieseck tapfer durch – Julia Wiedemann kämpfte im Finale um Platz drei der Frauenklasse.

Über einen Medaillenregen bei einer Meisterschaft dürften sich Sportler normalerweise freuen. Jedoch nicht, wenn es sich dabei tatsächlich um Regen handelt, der im einstelligen Temperaturbereich ganztägig in unterschiedlicher Stärke auf sie nieder geht.

Langanhaltender Regen
„Zum ersten Start um neun Uhr hat es zu regnen angefangen und den ganzen Tag nicht mehr aufgehört“, berichtet der Großen-Lindener Wolfgang Rinn, der bei der Hessenmeisterschaft im 1er-Straßenradrennen als Jury-Mitglied eingesetzt war. Auch ohne kalten Regen wäre der 16,4km lange Rundkurs von Fulda, über Sickels, Johannesberg, Zell, und Niederrode zurück nach Fulda eine geeignete Plattform für eine Hessenmeisterschaft gewesen.

Goers beißt sich durch
Von der RSG Gießen und Wieseck starteten Axel Goers , Ulrich Falk und Thomas Hanika im Feld der Senioren II zu ihrem 65,6 km (vier Runden) langen Titelkampf um die Hessenmeisterschaft. „Bis Anfang der dritten Runde passiert eigentlich nichts nennenswertes, außer einige Defekt- und kältebedingte Aufgaben“, berichtete Axel Goers. Danach seien „unmotiviert aussehende Attacken“ im Feld forciert worden, durch die sich jedoch kein Fahrer bedeutend vom Hauptfeld absetzen konnte. Acht Kilometer vor dem Ziel spielte der Ausgang des Rennens für Axel Goers nur noch eine Nebenrolle: „Ankommen und eine warme Dusche waren in diesem Moment viel wichtiger für mich als das Rennen an sich. Vor dem Schalten schaute ich immer auf meine Finger, da ich nicht mehr fühlte wo sich meine Finger auf dem Schaltgriff befanden. Meine Mitfahrer hatten hier scheinbar intensive Marktforschung betrieben und fuhren fast alle mit langen Handschuhen“, schilderte Goers sein Empfinden im Finale.

An der 2000-Meter-Marke hatte sich das Feld bereits in die Länge gezogen und Goers hatte drei Verfolger an seinem Hinterrad, mit denen er in die abschüssige Anfahrt zum Ziel ging. Hier kam einer der Fahrer an einer Bodenwelle mit Fahrbahnteilern zu Fall und Goers musste den längeren Weg außen herum wählen. Auf der langen Zielgeraden konnte Goers seine Position verteidigen und nach 65,6 km als Siebter abschließen. Sein Teamkollege Ulrich Falk wurde Zwölfter.

Wiedemann kämpft um Platz drei
Ebenfalls vier Runden und damit 65,6 nasse Kilometer standen für die Hessenmeisterschaft der Frauen um Julia Wiedemann von der RSG Gießen und Wieseck an. „Die ersten eineinhalb Runden verliefen relativ unspektakulär. Ein paar frühe Ausreißversuche der Buchenauer Übermacht (Lena und Ronja Köckerling sowie Juniorin Madeleine Ortmüller von der RSG Buchenau, Anm. d. Red.) verliefen erfolglos“. Die Nachführarbeit im Regen bereitete Wiedemann jedoch Probleme: „Das fühlt sich an, als müsste ich mit Milchtüten an den Pedalen Sprinttraining machen“, schilderte die Wieseckerin.

Schwestern setzen sich ab
Ende der zweiten Runde schafften es die Buchenauerinnen davon zu fahren, während sich das Hauptfeld um die Aufnahme der Verfolgung nicht einig war. Nach kältebedingten Aufgaben waren mit ihr nur noch Sonja Ludwig vom RFC Roßbach und etwas dahinter Claudia Bernd von der SSC Bensheim unterwegs. Im Kampf um Platz drei der Hessenmeisterschaft der Frauen attackierte Wiedemann fünf Kilometer vor dem Ziel an einem Anstieg, doch Verfolgerin Ludwig holte sie wieder ein. Mit ihrem erneuten Konter gegen Ludwig hatte Wiedemann auf der Zielgeraden jedoch keinen Erfolg und blieb mit Rang vier, wie im Vorjahr, einen Platz hinter ihrem persönlichen Ziel zurück. In der Spitzengruppe gab es ein Duell der Schwestern, bei dem sich Ronja Köckerling nach 1:51:44 Stunden vor Lena Köckerling durchsetzen konnte. Dagmar Rinn von der RV Gießen-Kleinlinden hatte das Rennen nach einer Runde mit Knie- und Rückenbeschwerden vorzeitig aufgeben müssen.

Im Dauerregen durchgehalten hat auch Pauline Turschner von der RSG Gießen und Wieseck, die im Rennen der weiblichen U17 Hessenbeste wurde. Ihr Teamkollege Victor Brück erreichte in der männlichen Konkurrenz Platz15.

Rennen verkürzt
Auch die U23- und Elitefahrer der RV Gießen-Kleinlinden zeigten sich von den äußeren Bedingungen angesichts veranschlagter 147,6 Rennkilometer nicht begeistert – der Wettfahrausschuss verkürzte das Rennen auf 131,2 km und konnte die Stimmung der Rennfahrer damit ein wenig heben. 23 Rennfahrer blieben jedoch im Rennverlauf auf der Strecke und stiegen vorzeitig aus, darunter Fahrer die zumindest vorübergehend auf Siegeskurs waren.

Clay kämpft gleich zu Beginn
Die U23- und Elitefahrer zeigten ebenfalls einen verhaltenen Beginn des Meisterschaftsrennens mit einem geschlossen fahrendem Hauptfeld – einzig Alister Clay von der RV Gießen-Kleinlinden erlebte den spannendsten Teil seines Rennens gleich in der ersten Runde, in der in einer Kurve gestürzt war und im Konvoi der Mannschaftswagen hart um den Anschluss kämpfen musste. In der zweiten von acht Runden setzen sich Tobias Ohlenschläger vom MTBC Werheim und Fabian Holbach vom RV Sossenheim ab und bauten ihren Vorsprung bis auf 2:30 Minuten aus. Das Hauptfeld verschärfte seine Fahrt und ließ den Vorsprung des Spitzenduos wieder schmelzen, so dass es zur Hälfte des Rennens wieder zum Zusammenschluss kam.

Kleinlindener Duo vorne
Zwei Runden vor Schluss versuchte es dann Sascha Starker von der SSG Bensheim im Alleingang – auch er erreichte knapp zwei Minuten Vorsprung und passierte alleine in Führung liegend die 3000-Meter-Marke. Doch hinter ihm jagte das Hauptfeld mit Fahrern und Mannschaften, die etwas gegen seinen Solosieg hatten und ihn mit Blick auf den Zielort Fulda wieder einfingen. Es kam zu einem Sprintfinale der U23- und Elitefahrer auf der langen Zielgerade mit dem Sieg des Bensheimer U23-Fahrers Jan Dieteren vom Team Raiko Stölting. Hinter ihm erreichte mit Roman Kuntschick vom RSV Bad Hersfeld der Sieger der Elitefahrer das Ziel. Neben U23-Sieger Dieteren stand das Duo Fabian Holbach und Jan Schneider auf dem Podium. Bei den Elitefahrern schafften Moritz Schütz als Vizehessenmeister und Jonas Hartmann mit der Bronzemedaille den Kleinlindener Doppelerfolg. Der Sportliche Leiter Werner Speier zog eine sehr zufriedene Meisterschaftsbilanz bei der alle Kleinlindener das Ziel erreichten. In der U23 kam Felix Hötte auf Rang sieben, Pierre Schmied wurde Zwölfter und Tim Speier erreichte Platz 17. Elitefahrer Jonas Schmelz erreichte im Sprint Platz fünf, vor Alister Clay der Elfter wurde.

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